Schulbuch und Konflikt

Verstehen wir Konflikt als eine - sozial konstruierte und kommunizierte - Unvereinbarkeit von Positionen unterschiedlicher Akteure, so lassen sich zwei Ansatzweisen unterscheiden, Schulbuch und Konflikt aufeinander zu beziehen. Wählt man politisch-gesellschaftliche Konflikte als Ausgangspunkt, so interessiert, wie sich diese in Schulbüchern spiegeln und in welchen Konstellationen sich Konflikte an Schulbüchern entzünden. Geht man hingegen vom Schulbuch aus, so kann seine Funktionsweise in Konflikten thematisiert werden: als Medium, das Konflikte offen hält und Denkmuster weitergibt, die zukünftiges konflikthaftes, auch gewaltsames Handeln begünstigen, oder als Mittel der Konfliktbearbeitung und -prävention.

Mit letzterem Ziel wurde "Schulbucharbeit" etabliert, bei der auf verschiedenen Wegen versucht wird, Schulbüchern das Konflikt perpetuierende Potential zu nehmen. In diesem Feld lag in der Vergangenheit der Schwerpunkt der Arbeit des Georg-Eckert-Instituts. Seit seiner Gründung ist es in zahlreiche Maßnahmen mit einer solchen Zielsetzung eingebunden. Hieran knüpft der Arbeitsbereich mit seinen Fragestellungen an und intendiert u.a., diese Arbeit zu reflektieren und mit wissenschaftlichen Methoden zu untermauern.

Die Problemstellungen, die das Schulbuch in einen Konfliktzusammenhang stellen, lassen sich mehreren Schwerpunkten zuordnen:

  1. Schulbücher in Konflikten

  2. Konfliktbearbeitung und Konfliktprävention durch "Schulbucharbeit"

  3. Lernen unter Konfliktbedingungen

  4. "Konflikt" im Schulbuch

  5. Schulbuchkonflikte

Die laufenden Projekte  analysieren die diversen Aspekte des Schulbuch-Konflikt-Zusammenhangs im Kontext dreier Themenfelder:

  • „Schulbuchrevision“ befasst sich, basierend auf oralen und schriftlichen Quellen, mit der historischen Aufarbeitung von Schulbuchrevision in einem Kontext zwischenstaatlicher Konfliktkonstellationen,
  • „Schulbuch und Unterricht in/nach gewaltsamen Konflikten“ arbeitet mit Methoden empirischer Sozial- und Unterrichtsforschung im Kontext innerstaatlicher und transnationaler gewaltsamer Konflikte,
  • „Schulbuchdiskurse und Konflikte“ untersucht Schulbuchdiskurse in unterschiedlichen Konfliktzusammenhängen mit diskurs- und textanalytischen Methoden, strebt aber auch – über die reine Schulbuchanalyse hinausgehend – eine Kontextualisierung dieser Diskurse an.
 
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Letzte Änderung: 12.01.2012