Deutsch-Israelische Schulbuchkommission

Die institutionalisierte deutsch-israelische Schulbuchzusammenarbeit reicht bis in die späten 1970er Jahre zurück. Die erste bilaterale Schulbuchkommission beider Länder wurde 1979 ins Leben gerufen. Die meisten der damaligen Mitglieder beherrschten (noch) beide Sprachen, Deutsch und Hebräisch. Im Jahr 1985 legte die Kommission die Befunde ihrer Untersuchung von Schulbüchern beider Länder und ihre daraus abgeleiteten Empfehlungen vor. 25 Jahre später – nun standen bereits die Wiedervereinigung Deutschlands und der in Oslo angestoßene Friedensprozess im Nahen Osten in den Geschichts(schul)büchern – sahen Repräsentant*innen beider Länder erneut die Notwendigkeit zu überprüfen, wie sich die genannten Entwicklungen in den Schulbüchern beider Länder niedergeschlagen hatten und wie eine neue Generation von Schüler*innen und Lehrer*innen auf das jeweils andere Land blickte. Die neue Deutsch-Israelische Schulbuchkommission (DISBK) nahm 2010 ihre Tätigkeit auf. Sie wird wie schon die Kommission der 1980er Jahre vom Auswärtigen Amt und vom israelischen Erziehungsministerium gefördert und vom GEI koordiniert.

  • Ziele

    Die DISBK verfolgt als übergeordnetes Ziel die Annäherung zwischen Deutschland und Israel, vor allem zwischen den Jugendlichen beider Länder, über die Vermittlung eines ausgewogenen und realistischen Bildes des jeweils anderen Landes und seiner Gesellschaft in Bildungsmedien und im Schulunterricht. Hierzu trägt sie insbesondere über die wissenschaftliche Analyse von Schulbüchern und daran geknüpfte Empfehlungen, die Erstellung von Unterrichtsmaterialien, die Fortbildung von Lehrkräften und Schulbuchredakteur*innen und über die Vermittlung der Ergebnisse in die Fachöffentlichkeit und an ein breiteres interessiertes Publikum mittels Tagungen und Workshops bei.


  • Vorgehensweise

    Im Zentrum der ersten Phase der Tätigkeit der DISBK stand die „klassische“ Schulbuchrevision, die 2015 in den Deutsch-Israelischen Schulbuchempfehlungen ihren Niederschlag fand. Drei bilaterale Arbeitsgruppen untersuchten etwa 400 deutsche und 100 israelische Geschichts-, Geographie- und Sozialkundeschulbücher auf die Darstellung des jeweils anderen Landes, seiner Geschichte und Gesellschaft sowie auf die Darstellung des Holocaust und seiner Erinnerung. Vor dem Hintergrund der dabei aufgedeckten Defizite empfahl die DISBK nicht nur entsprechende Änderungen in den Schulbüchern, sondern auch die gemeinsame Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien, die Schüler*innen in Deutschland und Israel ein differenziertes Bild des jeweils anderen Landes vermitteln sollten. Von 2016 bis 2018 entstanden im Rahmen der Schulbuchkommission und koordiniert vom GEI am Center for Educational Technology in Tel Aviv digitale, interaktive Lernmodule für den Unterricht in beiden Ländern. Fortbildungsaktivitäten für Multiplikator*innen aus beiden Ländern flankieren seither die Verbreitung der gemeinsamen Unterrichtseinheiten. Das Thema „Migration“ beschäftigte die DISBK auch von 2019 bis 2021. In diesem Zeitraum untersuchte sie die Darstellung Israels, von Juden und Judentum sowie des Nationalsozialismus und des Holocaust in Bildungsmedien, die in Integrationsangeboten für Geflüchtete in Deutschland eingesetzt werden.

    Seit 2022 arbeiten das GEI und die DISBK mit dem Leo Baeck Institute (LBI) in Jerusalem zusammen. Der Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit liegt auf der Erschließung digitaler Quellen aus den Beständen des LBI und ihrer didaktischen Aufbereitung für den Geschichtsunterricht in beiden Ländern. Dabei stehen die Lebenszeugnisse von in den Jahren 1933 bis 1939 nach Palästina emigrierten deutschen Juden im Vordergrund. Hierzu werden Erklärvideos und Handreichungen erstellt.


  • Ergebnisse
    1. Deutsch-Israelische Schulbuchempfehlungen: Die Ergebnisse der Schulbuchanalyse wurden im Sommer 2015 vorgestellt. Zu den zentralen Befunden zählen die einseitige und verzerrte Darstellung Israels im Kontext des Nahostkonflikts in deutschen Schulbüchern sowie eine allenfalls sporadische Präsentation Deutschlands nach 1945 in israelischen Bildungsmedien.

    2. Deutsch-israelische Unterrichtsmaterialien:Unter dem Oberthema „Migration aus bilateraler Perspektive“ wurden 2018/19 sechs gemeinsame Lehreinheiten auf Deutsch und Hebräisch entwickelt, die sich zum Beispiel mit der Einwanderung deutschsprachiger Juden in das Mandatsgebiet Palästina in den 1930er Jahren und mit Israel als Einwanderungsland beschäftigen.

    3. Die Ergebnisse einer Untersuchung von Lehrmaterialien und Unterrichtspraxis im Rahmen der Orientierungskurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erscheinen Anfang 2023 als Publikation in der Reihe Eckert.Expertise.


Projektteam

  • Deutsche Mitglieder
    •  Prof. Dr. Eckhardt Fuchs | Vorsitz | Leibniz-Institut für Bildungsmedien, Braunschweig
    • Prof. Dr. Michael Hemmer | Universität Münster
    • Prof. Dr. Alfons Kenkmann | Universität Leipzig
    • Frank Langner | Friedrich-Ebert-Gymnasium, Bonn
    • Dr. Martin Liepach | Fritz Bauer Institut, Frankfurt
    • Dr. Dirk Sadowski | Leibniz-Institut für Bildungsmedien, Braunschweig
    • Prof. Dr. Wolfgang Sander | Universität Gießen

  • Israelische Mitglieder
    • Dalia Fenig | Vorsitz | Israelisches Erziehungsministerium, Jerusalem
    • Dr. Irene Aue | Leo Baeck Institute, Jerusalem
    • Pnina Gazit | Israelisches Erziehungsministerium, Jerusalem
    • Dr. Simcha Goldin | Universität Tel Aviv
    • Dr. Orna Katz-Atar | Israelisches Erziehungsministerium, Jerusalem
    • Dr. Arnon Medzini | Oranim Academic College of Education, Tivon

  • Weitere Projektinformationen

    Referat

    Projektlaufzeit

    • Seit 2010

    Projektförderung

    Projektpartnerschaft


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