How deep/fake is your love? Deepfakes im Spannungsfeld digitaler und epistemischer Gewalt

Das seit 2024 laufende Dissertationsprojekt von Alin Bernunzo untersucht die Wirkungsweisen nicht-einvernehmlicher, sexualisierender Deepfakes im Kontext digitaler Gewalt, mit besonderem Fokus auf Betroffenenperspektiven. 
Die Studie arbeitet mit einem heuristischen Gewaltbegriff, der sich aus den Konzepten der epistemischer Gewalt speist. In diesem Zuge richtet sich das Augenmerk insbesondere auf unterschiedliche Formen und Ebenen des Silencing, also das Zum-Schweigen-Bringen, Verstummen und Nicht-Gehört-Werden von Betroffenen. Vor diesem Hintergrund wird analysiert, wie sexualisierende Deepfakes als exemplarische Form von Gewalt im Digitalen verhandelt werden.


Im Zentrum stehen mehrere Leitfragen:


1.    Wie werden nicht-einvernehmliche, sexualisierende Deepfakes als Beispiel für Gewalt im digitalen Raum von a) Betroffenen, b) Expert:innen und c) in Bildungsmedien konzeptualisiert?

2.    Welche Wirkungsweisen werden dabei akzentuiert und welche epistemischen Dimensionen dabei deutlich?

3.    Wie unterscheiden sich das Professionswissen von Expert:innen und das Wissen gewaltbetroffener Erfahrungsexpert:innen?

4.    Welche Impulse ergeben sich daraus für Bildungsmedien?

Die Dissertation nutzt den Begriff „pornografische Deepfakes“ um an den öffentlichen Diskurs anzuschließen, meint damit aber immer nicht-einvernehmliche, sexualisierende Deepfakes, die eine schwerwiegende Verletzung der Rechte von Betroffenen sind.
Im Projekt werden pornografische Deepfakes als Symptom gesellschaftlicher Machtasymmetrien verstanden und damit primär als soziales, nicht als technisches Problem gefasst. Sie werden als eine Form digitalisierter, bildbasierter, sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt verstanden, die häufig gegenüber Frauen als Werkzeug der Demütigung und Rufschädigung eingesetzt wird. Untersucht wird daher nicht nur, inwiefern Deepfakes täuschen, sondern auch, wie sie Stimme, Teilhabe, Glaubwürdigkeit und gesellschaftliche Sichtbarkeit von Betroffenen untergraben.
Demgemäß kommt im Forschungsprojekt besonderes Gewicht den Perspektiven und Erfahrungen Betroffener zu, da ihre Erfahrungen zentral für das Verständnis digitaler und epistemischer Gewalt sind.

  • Ziele

    Ziel ist es

    …erstens ein vertieftes Verständnis digitaler Gewalt sowohl als soziales Phänomen als auch als analytisches Konzept zu entwickeln. 
     
    …zweitens soll die Studie Aufschluss über die Erfahrungswelten Betroffener geben und die Wirkungsweisen pornografischer Deepfakes jenseits des häufig betonten Täuschungsaspekts sichtbar machen, insbesondere im Hinblick auf Entwürdigung und epistemische Marginalisierung. 
     
    …drittens werden aus diesen Einsichten Impulse für die Weiterentwicklung von Bildungsmedien gewonnen, die digitale Gewalt in ihren sozialen und epistemischen Dimensionen adressieren.

  • Vorgehensweise

    Auf der Grundlage zweier entwickelter heuristischer Modelle zu nicht-einvernehmlichen, sexualisierenden Deepfakes erfolgt eine empirische Untersuchung, die auf einer Daten- und Methodentriangulation basiert. 
    Zunächst wird eine Dokumentenanalyse durchgeführt, die Bildungsmedien zu digitaler Gewalt, Deepfakes und verwandten Begriffen systematisch auswertet. 
    Daran anschließend folgen leitfadengestützte Expert:inneninterviews mit Fachpersonen, die vor allem mit den Auswirkungen digitaler, sexualisierter Gewalt auf Betroffene befasst sind, darunter Mitarbeitende von Frauenberatungsstellen, Jurist:innen, Kriminolog:innen oder medienpädagogischen Bildung- und Beratungsstellen. 
    Abschließend werden Expert:inneninterviews mit Gewaltbetroffenen durchgeführt, deren Erfahrungswissen als zentrales Korrektiv und als eigenständige Wissensquelle in die Analyse einfließt.


Projektteam

  • Weitere Projektinformationen

    Abteilung

    Projektlaufzeit

    • 2024–2027

    Projektförderung

    • Leibniz-WissenschaftsCampus – Postdigitale Partizipation – Braunschweig

sroll-to-top